Einsatzgebiete moderner Falknerei: Schutz der einheimischen Greifvogelpopulation

März 10, 2010 · Posted in Blog, Falknerei | Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen 

Neben der Versorgung kranker Tiere gehört natürlich ebenso der Schutz und die Stärkung der einheimischen Greifvögel zum Alltag der modernen Falknerei. Denn auch die existierenden Greifvogelpopulationen von Habicht, Milan,. Adler und co. haben noch existentielle Probleme.

Risiko 1: Menschliche Neugier

Gerade bei selteneren Arten ist die menschliche Neugier ein Problem für Greifvögel. Denn die menschliche Neigung alles Ungewöhnliche und Seltene aus der Nähe sehen zu wollen, führt bei brütenden Greifvögeln zu Störungen im Brutablauf.

Die brütenden Vögel fühlen sich bedroht, bekommen Angst und verlassen zum Eigenschutz vor der Gefahr den Horst. In dieser Zeit werden Eier nicht bebrütet und kühlen ab. Bei zu häufigem Abkühlen kann dies dazu führen, dass die Brut nicht zum Schlupf kommt, und so der Nachwuchs ausbleibt. Letzteres ist natürlich für den Erhalt einer gesunden Population extrem nachteilig.

Vielerorts haben sich deshalb Falkner mit anderen Naturschutzorganisationen, -vereinen und -aktionen zusammengeschlossen und betreiben Horstbewachung und -beobachtung. Dabei wird eine Schutzzone um den Horst gebildet und darauf geachtet, dass diese Seitens anderer Menschen nicht betreten wird und somit eine erfolgreiche Nachzucht zum ausfliegen kommt.

In Bayern wird dies beispielsweise recht intensiv und erfolgreich bei sich wiederansiedelnden Seeadlern gemacht.

Risiko 2: Müll und Chemie

Der Mensch macht Müll und setzt an vielen Ecken chemische Mittel zu seinem vermeindlichen Vorteil ein. Aber auch hier treten oft schwere Schäden in der Natur auf.

Im letzten Jahrhundert hat der Einsatz von DDT als Pflanzenschutzmittel beispielsweise fast zur Ausrottung vieler einheimischer Greifvogelarten, allen voran des Wanderfalken, geführt. Erst nach einem Verbot dieses Mittels konnten sich die Populationen langsam wieder erholen.

Neben dem Einsatz von Chemie ist auch Müll ein Problem. Einige Greifvogelarten, vor allem hier die Milane, polstern ihre Horste sehr gerne mit allerlei Stoffen aus. Dabei nehmen diese Tiere in der Tat alles, was rumliegt. Wird nun jedoch zuviel Kunststoff und ähnliches als Unterlage im Horst verwendet, führt dies dazu, dass Regenwasser sich auf dieser wasserundurchlässigen Bodenschicht sammelt und nicht mehr abfließt. Die Eier liegen somit im Wasser, und können nicht ausreichend bebrütet werden, da sie dauerhaft zu großer Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Die Jungvögel ertrinken quasi im Ei.

Auch hier sind Falkner mit anderen Naturschützern gemeinsam unterwegs. Säuberungstage unserer Wälder und Öffentlichkeitsarbeit sind hier – neben Öffentlichkeitsarbeit – die einzig wirksamen Mittel.

Risiko 3: Landwirtschaftliche Nutzung von Brutflächen für Bodenbrüter

Unter den Greifvögeln und Eulen gibt es auch einige Bodenbrüter, wie beispielsweise die Weihen oder die Sumpfohreule. Ein Problem dieser Arten ist die landwirtschaftliche Nutzung ihrer Brutflächen.

Eine frühe Mahd zerstört Gelege oder Jungvögel und gefährdet so die Population der einzelnen Tierarten. Deshalb gibt es auch hier Bestrebungen seitens aktiver Falkner diese Flächen gemeinsam mit Landwirtschaft und Naturschutz vor dem zu frühen Mähen zu schützen.

Ein großartiges Projekt ist hier das Wiesenweihenprojekt in Bayern, welches gemeinsam mit Falknern, Jägern, Naturschützern, Landwirten und den Behörden dazu geführt hat, dass es in Bayern eine der größten Wiesenweihen Brutareale in Deutschland gibt.

Risiko 4: Aberglaube, Fehlinformation und Gerüchte

Wie bei allen großen Beutegreifern gibt es auch um Greifvögel seit ewigen Zeiten viele Gerüchte, welche zu Aberglaube und Fehlinformation führten. Dies führt zu einer schlechten Meinung in der Bevölkerung und zu einer schlechten Meinung über diese Tiere.

Gerade hier sind Falkner sehr aktiv um mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit diese Gerüchte abzubauen und ein realistisches Bild der Greifvögel und Eulen zu zeigen.

Neben der Information der Öffentlichkeit gehören dazu auch Ausbildung unserer Jäger und Naturschützer. Denn nur mit fundierten Wahrheiten und Wissen können auch diese Personenkreise Ihre Aufgaben sinnvoll erledigen.

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